Spirituelle Ethik. Gelebt.

Diskussionsabend mit Horst Krohne - Eindrücke einer Nicht-Heilerin

Teneriffa/Puerto de la Cruz.- Für Nicht-Heiler ist es eine völlig andere Welt, die Welt der Geistheiler. Umso gespannter und gleichzeitig diffuser daher auch die Erwartungshaltung als Gast, wenn man zum ersten Mal einen Diskussionsabend mit Horst Krohne, diesem ungewöhnlichen Beispiel gelebter spiritueller Ethik, im Rahmen der Geistheiler-Tagung 2017 auf Teneriffa miterleben kann. +++

Der erste Eindruck: Gut aussehender, älterer Herr. Schmales, prägnantes Gesicht. Mit tausend Jahren Erfahrung - und trotz seiner Achtzig-plus mit dichtem weißem Haar. Abwartend sitzt er am Podium – bis sich alle, auch die aufgeregt Schnatternden gesetzt haben. Ein ruhender Pol. Ohne jede Ungeduld in Gestik und Mimik. Für einen Augenblick denke ich: mein Gott, der gehört nicht hierher! Noch nicht ganz genesen von einer lebensbedrohAngelika Mayrhofer-Battloglichen Erkrankung (Krankenhauskeime), soll er Fragen von angehenden oder bereits praktizierenden Geistheilern beantworten. Das ist Nötigung! Denke ich und schäme mich ein wenig dafür. Diesem hoch-disziplinierten und hoch-erfahrenen Mann müsste man gerade jetzt die Ruhe gönnen, die er braucht, um wieder Kraft sammeln zu können. Noch ganz augenscheinlich geschwächt. Mit müdem und gleichzeitig doch so unglaublich wachem Blick. Eine ganz spezielle Harmonie der Diskrepanz. Aber in dieser schönen Abendstunde in Puerto de la Cruz sollte er nicht im modern-funktionellen Hotel-Konferenzraum sitzen (müssen). Sondern auf einer Terrasse. Mit Blick auf das Meer. Umsorgt und nicht gefordert.

So denkt man wohl als Gast. Als Nicht-Heilerin, die beim abschließenden Round-up mit Herrn Horst Krohne - am Ende eines mehrtägigen Geistheiler-Seminars auf Teneriffa – zuhören darf und beobachten.

Geistige Führung

Neugierig auf diesen Mann, der so viel Seriöses über das durchaus anspruchsvolle und ambivalent-kritisch diskutierte Fachgebiet der Geistheilung publizierte wie kein anderer, lasse ich mich ein auf seine Erklär-Reise. Über die Faszination des Menschen als wundersamer Ort von Wissen, Können, Wahrnehmung und Heilungspotenzial. Als Heimat einer ausschließlich individuell agierenden, reagierenden und empfindenden Seele. Im Einklang oder im Disput oder im Ringen mit der jeweils ebenfalls maßgeschneiderten geistigen Führung. Diese geistige Führung kann offenkundig jeder von uns wahrnehmen. Vorausgesetzt, man will es und bittet darum. Und verfügt über jene Hartnäckigkeit, falls „es“ nicht auf Anhieb funktioniert, die der Vater und/oder die Mutter jeden Erfolges ist. Bei Worten wie „Geist-Führer“ und „geistiger Führung“ steigen normalerweise viele gleich aus. Hirngespinst. Esoterik-Kram. Pseudo-Religion – und was sonst noch an anderen netten Umschreibungen für das nicht unmittelbar Beschreibbare kursieren. Mir ging es, als ich das erste Mal von meinem lieben Mann hörte, womit er sich gerade beschäftigt, nicht viel anders… Erstaunlicherweise steigt aber die Plausibilität von Erklärungen der (geistigen) Welt außerhalb jener, die wir täglich und unmittelbar wahrnehmen, verschiedenen geistigen Ebenen und Zusammenhängen mit der Intensität, mit der man sich solchen Diskussionen stellt. Selbst wenn da immer noch ein beachtlicher Respektabstand herrscht zwischen tatsächlichem Begreifen, Erfahren und Erfühlen – und dem Gesagten aus dem Mund eines Horst Krohne.

Ich höre an diesem Abend nichts, was absurd, abgehoben oder surreal klingt. Möglicherweise ein Phänomen der selektiven Wahrnehmung, die uns sehr oft vor Überforderung schützt.  Wie auch immer. Ich höre Sätze, die für den Buddhisten genauso Gültigkeit haben können, wie für den Christen oder den Religions-fernen Skeptiker. Und vor allem höre ich eine geradezu unglaubliche menschliche Größe und Zugewandtheit heraus, wenn es darum geht, Lehren aus individuellen Lebenssituationen zu ziehen, aus Erkrankungen, aus Verletzungen des Körpers und der Seele.

Heiler oder Scharlatan?

Und eine klare Distanzierung gegenüber und Ablehnung von Möchte-gern-Heilern,  was ganz energisch gegen Scharlatanerie auf diesem Gebiet spricht (… die  übrigens sehr wohl in jeder anderen Berufsgruppe zu finden ist, aber weniger sanktioniert und verübelt…). Heiler kann laut Krohne nur jemand werden oder sein, der als allererstes „aufbaut auf der physischen Welt“. Will heißen, der sich umfassende theoretische Kenntnisse aneignet, Wissen und Know-how aufbaut, um dann - mit Hilfe, Unterstützung und Führung der geistigen Welt  - jenen, die Hilfe und Unterstützung brauchen die passende Starthilfe zur eigenen Genesung oder zu neuen Perspektiven zur Verfügung stellen können. Die sozusagen als Startkabel fungieren für die eigene Batterie, aber nicht glauben, sie selbst seien diese Batterie.

Spirituelle Ethik

Als Horst Krohne von der neuen Ethik, einer spirituellen Ethik, spricht, die in unserer Gesellschaft notwendig erscheint, damit die Warnsignale der Umweltverschmutzung quasi als Analogie zur seelisch-geistigen Notlage entsprechend interpretiert werden, wird es so ruhig im Saal, dass man das Summen der Klimaanlage hört. Auch als er kompromisslos die richtige Haltung umschreibt, die ein Heiler haben muss, der diese (Berufs-)Bezeichnung verdient. „Wenn mich jemand fragt, was mache ich falsch – dann antworte ich ihm: Sie haben den falschen Beruf gewählt…“. Für manche im Auditorium ganz augenscheinlich eine irritierende Antwort – knapp an der Schnapp-Atmung vorbei. Ich übersetzte diese provokante Antwort Krohnes für mich so:  jeder Heiler, der meint, er sei der heilende – und nicht nur ein ausgewählter Transformator, eine ausgesuchte Leitung zwischen geistiger Welt und dem Hilfe-Suchenden – quasi ein Ladegerät für den –(Gesundheit, Heilung oder Perspektiven-)Suchenden,  der verkennt seine Funktion und seine Aufgabe. Die selbstverständliche Eigenleistung ist das theoretische Rüstzeug, das sich jeder aneignen muss; wenn man so will, das Erlernen des Alphabets. Sich gut ausbilden. Die „Fremdleistung“ der geistigen Welt ist dann die Sprache, zu der er befähigt wird, um anderen zu helfen.

Durch Meditation. Hellhörig werden, hellsichtig und feinfühlig.

Ein Heiler ist oder kann nur ein verlängerter Arm sein, jemand, der Impulse für die Aktivierung der jeweils eigenen Potenziale ver- oder übermittelt. Jede andere Einstellung ist fehl am Platz. Wer daher glaubt, dass er es ist, der in diesem Sinn was richtig oder falsch macht, sollte einen anderen Beruf wählen.

Welt als Übungsplattform

Als Horst Krohne schließlich die Welt als „Übungsplattform“ für uns Menschen bezeichnet, auf der die Bedingungen für die Seelen nicht immer optimal seien und man sich schon die Frage stellen dürfe, warum wir physisch auf der Welt sein müssen – „will uns Gott ärgern?“ – verrät sein offenes und gleichzeitig hintergründig wissendes Lächeln, wie stark vernetzt er ganz augenscheinlich zwischen den Erfahrungsebenen interagiert. Die tiefe Gelassenheit dieses Lächelns und das Verständnis für die Fragen so mancher (noch) Kleingeistiger belehrte mich eines anderen, als des ersten Eindrucks an diesem Abend. Dieser Mann gehörte an diesem Abend nicht auf eine Terrasse in Puerto de la Cruz. Er gehörte genau hierher. Damit seine Einsichten und Einblicke nicht nur via seine Bücher, sondern über die Herzen (oder die Seelen) weiterer Überzeugter nach Deutschland, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein reisen können.

Personifizierte Inspiration

Eineinhalb Stunden – ohne ein Blick auf die Uhr – Rede und Antwort gestehen. Höchstens drei Mal am Wasserglas genippt. Da vorne saß kein älterer, müder, noch nicht gänzlich genesener Herr. Da vorne saß die personifizierte Inspiration.

 

Angelika Mayrhofer-Battlog, Teneriffa, August 2017