Meine Heilung

An einem Sonntag im Juli 2010 sollte sich mein Leben ändern. Plötzlich konnte ich nicht mehr stehen oder gehen. Meine Beine klappten zusammen. Als ich aus dem Bett steigen wollte, lag ich am Boden. Eine in der Nachbarwohnung herbeigeholte Ärztin organisierte blitzschnell Helfer im Haus, die mich zu ihrem Auto hinuntertrugen und schon fuhren wir mit Vollgas in die nächste Klinik. Dort wurde eine Sepsis diagnostiziert. Die Ursache aber nicht gefunden. Ein Breitbandantibiotikum schlug an. Die Entzündungswerte schnellten aber nach oben, sobald das AntHartmut Zöbeley (Foto von Alvise Predieri)ibiotikum abgesetzt wurde. Monate vergingen und noch immer musste ich täglich mit Antibiotika behandelt werden. Von Tag zu Tag magerte ich ab und konnte kein Essen mehr vertragen. Schließlich die Diagnose im Münchner Rechts der Isar: Morbus Crohn.
Als auf die Behandlung hin meine Entzündungswerte noch immer nicht sanken, fand man bei eingehenden Untersuchungen endlich die eigentliche Ursache. Es war ein Abszess in der Wirbelsäule, der operativ und mit Cortison behandelt wurde. Dann waren die Werte endlich in Ordnung. Allerdings entstand an dieser Stelle eine Destabilisierung der Bandscheibe. Es folgte ein Bandscheibenvorfall, der schließlich auch erfolgreich behandelt wurde.
Besser ging es mir aber nicht. Inzwischen waren fünf Jahre vergangen. Immer weniger konnte ich vertragen. Es blieben nur noch Kartoffeln übrig. Ich magerte ab. Meine Frau litt unter meinen Beschwerden mit. Wir konnten nicht mehr zusammen ausgehen, mit Freunden essen, es einfach schön haben. Reisen ins Ausland wurden durch meine Ernährungsprobleme fast unmöglich. Am Schluss aßen meine Frau und ich gar nicht mehr zusammen. Es war ein trauriger Alltag. Meiner Arbeit als Dirigent fehlte die Kraft und Energie. Ich schleppte mich in Proben und Konzerte. Ich war ein Wrack im Frack. So konnte es nicht weitergehen.

Eine Freundin erzählte mir nach einem Konzert, das ich unter großen Anstrengungen dirigiert hatte, von Horst Krohne und der Schule für Geistheilung. Ich träumte nur noch von Heilung und hatte solch eine Sehnsucht nach Gesundheit, dass ich all meine Skepsis über Bord warf und mich dafür zu interessieren begann. Sie gab mir Literatur in die Hand, die ich las. Völlige Genesung sollte möglich sein? Ich zweifelte.

Im Februar 2017 saß ich auf Teneriffa einem freundlichen Mann gegenüber mit einem gewitzten Lächeln. Ich freute mich, dass es zu diesem Zusammentreffen mit Horst Krohne gekommen war. Völlig offen und ein wenig neugierig blickte ich in seine lebendigen Augen. Was er sagte, leuchtete mir spontan ein. In seiner Gegenwart fühlte ich mich aufgehoben. Ich begriff, dass etwas Entscheidendes passieren sollte. Er sprach mich auf ein schweres Trauma im Säuglingsalter nach meiner Geburt an. Ich war überrascht, davon hatte ich nie etwas gehört. Nachdem er sich überzeugt hatte, dass ich schon lange genug unter diesem Trauma und seinen Folgen gelitten hatte und er mich heilen durfte, wie er mir sagte, legte er unter Mithilfe seiner Frau die Hand auf. Dann hörte ich auf einmal seine Stimme: „So, Sie sind geheilt.“ Er bot mir eine Praline an. Ungläubig sah ich ihn an. Ich nahm sie und aß. So einfach sollte es gewesen sein? War das alles?

In der folgenden Nacht träumte ich heftig und wild durcheinander. Als ich aufwachte, fühlte sich der Moment so licht und leicht an wie noch nie in meinem Leben. Es war ein unsagbares Glücksgefühl.
Ich blieb liegen und genoss den Augenblick. Auch an den folgenden Morgen erlebte ich beim Aufwachen dieses Glücksgefühl der Leichtigkeit. Bis heute.

Zuhause zurück suchte ich in alten Briefen Berichte über meine Zeit als Säugling. Es stellte sich heraus, dass meine Mutter für eine längere Zeit ins Krankenhaus musste, als ich noch keine drei Monate alt war. Ich wurde in eine andere Stadt zu den Großeltern gebracht. Dort kam es „wegen des plötzlichen Abstillens zu schweren Darmstörungen…“, konnte ich in einem der Briefe lesen.

Im Mai 2017 fand eine Darmspiegelung im Rahmen meiner Morbus Crohn Betreuung statt. In der Besprechung fragte mich der Internist: „Welcher Heini behauptet denn, Sie hätten Morbus Crohn?“

Gerade komme ich mit meiner Frau aus Wien zurück. Wir haben zusammen nach Herzenslust gegessen und getrunken und eine glückliche Zeit genossen, wie in den Tagen vor jenem Sonntag im Juli 2010.

Ich erinnere mich an das Zusammentreffen mit Horst Krohne im Februar 2017 und ich spüre eine Dankbarkeit, - für die ich keine Worte habe.

Hartmut Zöbeley, München 31.10.2017